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Fashion Interview: Florian Wortmann

Apr 8, 2020 Stories

Fashion Interview: Florian Wortmann

Creative Director der Marke CG – CLUB of GENTS Florian Wortmann über die gemeinsam mit dem Fashion- und Lifestyle-Magazin Business Punk entwickelte Kollektion gegen Rassismus, die Verantwortung von Mode und die Mods als ewige Inspiration. Ein Interview von Siems Luckwaldt. 

Mit der gemeinsamen Kollektion von Business Punk und CG – CLUB of GENTS setzen wir ein modisches Zeichen gegen Rassismus. Was war für euch der Impuls für dieses Engagement?

Wir haben das bereits vor über einem Jahr geplant, in der Folge hat sich die politische Lage ja leider noch weiter zugespitzt: ob Thüringen-Wahl oder die Todesschüsse von Hanau. Wir wollen nun im Herbst mehr denn je ein Zeichen gegen den Zeitgeist setzen. Doch schon als die Idee eher als Kommentar zur ungut polarisierenden Flüchtlingsdebatte ihren Ursprung nahm, war uns ganz klar, dass wir als Marke Stellung gegen Rechts beziehen und unserer Community mitteilen müssen, wie wir die Dinge politisch und gesellschaftlich sehen.

Die Wichtigkeit gerade bei jungen Zielgruppen eine klare Haltung an den Tag zu legen, wird ja seit einiger Zeit von NGOs bis Marketingprofis betont. Dennoch sind politische Stellungnahmen auch immer ein Drahtseilakt. Gab es intern auch Widerspruch?

Nun sind wir generell eine Marke der schnellen Entschlüsse. Aber wir haben bei der Suche nach möglichen Partnern gemerkt, dass nicht jeder bedenkenlos mitzieht. Nicht jedes Medium war so aufgeschlossen wie Business Punk– und auch nicht jeder Fachhändler teilte unsere Dringlichkeit und Begeisterung für eine Kollektion gegen Rassismus. Es gab im Vorfeld absolut heiße Diskussionen zwischen unserem Vertrieb und dem Retail. Aber mit Breuninger haben wir einen sehr starken Einzelhändler an unserer Seite gefunden.

Besteht das Rezept also darin, weniger Bedenken zu haben?

Ich finde, dass Bedenken und Angst vor negativem Feedback uns weder als Marke noch als Gesellschaft weiterbringen. Wir müssen uns viel mehr endlich aus der Deckung trauen, mit Mut auch zum möglichen Risiko. Klar, man macht sich mit jedem Engagement immer auch angreifbar, aber wäre dies das einzige Argument, dann hätte es weder die Frauenbewegung gegeben noch den Kampf um gleiche Rechte der LGBTQ-Community oder, wenn man noch weiter zurückblicken will, die Abschaffung der Sklaverei in den USA. Wer wartet, dass es jemand anderer macht, spielt zerstörerischen Kräften in die Hände!

Politische Botschaften haben in der Mode eine lange Tradition, man denke nur an die Punk-Designs von Vivienne Westwood oder T-Shirt-Slogans wie „We are all Feminists“ bei Dior. Warum ist das in der Männermode noch eher Neuland?

Mein Opa hat mal über unsere Branche gesagt: „Jung’, wenn draußen irgendwann alle nackt herumlaufen, dann hast du keinen Arbeitsplatz mehr.“ Das macht salopp deutlich, wie groß die Bedeutung unserer Produkte und die darauf liegende Aufmerksamkeit ist. Die Mode hat ein großes Publikum und wer dieses Glück besitzt, der hat eine extrem hohe Verantwortung, damit positiv, innovativ und konstruktiv zu Debatten beizutragen und auch auf Missstände und Fehlentwicklungen hinzuweisen.

Die Outfits sind mit ihrer Message mal plakativ, mal sehr dezent mit den Appellen. Was sind deine persönlichen Highlights der Capsule Collection?

Definitiv das Motto-T-Shirt, zumal es das erste Mal ist, das wir als Männerlabel ein Stück so entworfen haben, dass es ausdrücklich auch von Frauen getragen werden kann. Darauf haben wir beim Schnitt explizit geachtet. Zum Casual Friday ist das Halbarmhemd mit den Streifen perfekt.

Erzähl uns mehr darüber, wen ihr im Designprozess vor euch seht.

Wir haben uns Britpop auf die Inspirationsfahne geschrieben. Da schaut man natürlich gern auf eine Legende wie Paul Weller von The Jam. Er als ewiger Mod und übrigens auch Modemacher leitet uns ein wenig. Mods wren Jungs aus der Arbeiterklasse, die auf Jeans keinen Bock mehr hatten und stattdessen ihren letzten Penny zum Maßschneider trugen, um sich italienisch angehauchte Anzüge machen zu lassen. Die trugen sie auf ihrer Vespa und den Parka darüber nur, um den feinen Zwirn vor Spritzwasser zu schützen. So entstand der ikonische Look. Taffes Leben trifft la dolce vita, mit diesem Mindset schauen wir auf jede neue Kollektion.

Hast du einen Lieblingsmoment aus der Fashion-Geschichte, wo ein Designer den Laufsteg für Botschaften genutzt hat?

Definitiv die Unisex-Kollektion von Jean Paul Gaultier aus dem Jahr 2006, wo er das Thema als einer der ersten namhaften Designer ganz radikal besetzt hat. Das hieß dann Gaultier². Mode wurde zum Kommentar zur Zeit, und zwar nicht auf eine rein künstlerische Weise, was ich etwas schwierig und weltfremd finde, sondern ganz tragbar.

Als junges Label einer etablierten Marke – wie wild darf CG – CLUB of GENTS werden, ehe Erklärungsbedarf droht?

Natürlich gibt es Geschäftsführer und Gesellschafter über uns, aber momentan haben wir das Glück und Privileg, dass wir unsere eigenen Grenzen setzen.

Zur Capsule Collection 2020

Europa 2020 – nationalistische und rechtspopulistische Bewegungen erstarken, rassistische Hetze und Diskriminierung nehmen zu. CG – CLUB of GENTS verschließt nicht die Augen, sondern setzt ein Zeichen gegen Rassismus. Die Capsule Collection „SUIT YOURSELF AGAINST RACISM” in Kooperation mit Business Punk hat eine klare Botschaft: Respect Everyone! Gerade beim Thema Rassismus gibt es für beide Brands kein “Vielleicht” und keine „Frage der Sichtweise”, sondern ein klares Statement, dass durch die limitierte Kollektion Ausdruck findet. Der urbane, edgy Style gibt durch schwarz-weiße-Outfits die Richtung vor. Dadurch nimmst auch Du Haltung ein und leistest Deinen Beitrag zum Schutz der Menschenwürde und Vielfalt. Ab Herbst 2020 ist die Capsule Collection „SUIT YOURSELF AGAINST RACISM” bei uns im Online Shop erhältlich.

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